10.04.2014

State of Stage/ Found Footage (Youtube)/ 14:36 min/ 4:3/ 2013


https://vimeo.com/91604501

















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Virtuelle Abbilder verlassener Bühnen und Theater werden zum fiktiven Set der Akteure auf ihrer Suche nach Identität, nach einer Rolle. Alles beginnt mit dem Blick auf den Screen und endet mit dem Blick aus ihm heraus. Durch Eintauchen in subjektive Sichtweisen und Perspektiven werden Beobachter zu Beobachteten. Ein Rollentausch wird inszeniert: Publikum einerseits als Konsument und andererseits als Produzent.
„State of Stage“ ist eine Auseinandersetzung mit verschiedenen “Zuständen” und Bedingungen von Bühnen, Orten der Selbstpräsentation-und Darstellung. Die Herkunft des Materials verändert den Inhalt, wandelt und bestimmt ihn (McLuhan). Durch seine virtuelle Herkunft versucht “State of Stage” an der Schnittstelle von Kino, Theater und Internet, unter Verwendung unterschiedlicher Quellen im Off Suche nach Identität und Selbstdarstellung, sowie den filmischen, performativen und virtuellen Raum zu untersuchen, aber auch der Frage der Vermischung jener nachzugehen. Die unterschiedlichen “Bühnen” (leerstehende Theater und Kinos, das Internet selbst als performativer Raum und zuletzt analoger Film) stehen bildlich für den “Zwischenraum” der, mittlerweile oder von je her verlassen, eine Art Leerstelle entstehen lässt, obwohl an diesen Orten große Gefühle und Emotionen verhandelt, vermittelt und erlebt werden.

Der Film beginnt mit Textauszügen aus John Cassavetes “Opening Night“, in welchem die Schauspielerin Myrtle Gordon (gespielt von Gena Rowlands) eine Krise erleidet. Sie soll die Rolle einer Alternden in einem Theaterstück spielen und gibt sich daraufhin in Selbstzweifel, während der Proben dem Alkohol hin, da sich ihr eigenes Leben, ihre eigenen Ängste mit dem ihrer Rolle vermischen. Am Ende wird ihr betrunkener Auftritt ein Erfolg. Als nächstes hört man Auszüge von Anweisungen der Schauspiellehrerin Uta Hagen in ihrer Schauspielklasse, die über Charakterentwicklung und den Umgang mit dem Publikum, sowie der eigenen Rolle auf der Bühne spricht. Diese Textfragmente  treten in Dialog mit jenen der Amateurfilmern aus den Youtubevideos und ergeben so, indem sie ihrem ursprünglichen Kontext entzogen wurden, eine befremdliche Doppeldeutigkeit. Eine Auseinandersetzung dieser Amateurfilmer mit ihrer “Rollenentwicklung“, ihrer Suche entsteht. Ein Szenario der ungeplanten, uneinsichtigen, nicht vorhergesehenen Probe entsteht. Der Bogen wird weitergespannt, über den Projektionsraum im Kino, der zu einem Körper zu werden scheint, einem Ort an dem Emotionen erlebt werden, hin zum eigentlichen Film(material), und dem Hollywoodkino schlechthin. An dieser Stelle tritt Tomata du Plenty aus Rene Daalders Undergroundmusical “Population: One“ hinzu, der, nach einer nuklearen Katastrophe als einziger Überlebender auf Erden mit Hilfe seiner  Erinnerung an anderen Menschen, diese zum Leben erwecken kann. Er lebt fortan in einer Welt der Projektionen in einem dunklen Bunker, ausgestattet mit jeder erdenklichen Technik und erfindet die Geschichte.