01.05.2017

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SCHIFFBRUCH MIT ZUSCHAUER// work in progress// end of 2017









SEA YOU BYE THE SEA// Im Rahmen der Ausstellung “POSTHUMAN COMPLICITIES“// XHIBIT Akademie der Bildenden Künste Wien// 2017


































----> WATCH VIDEO (MONITOR)
Teil 1
Monitor an der Wand dahinter, Kopfhörer
HD und Found Footage, Sound
09:15 min,16:9, Loop


----> WATCH VIDEO (GROUNDFLOOR)
Teil 2
Bodenprojektion auf graue Holzplatte: Größe: 2,25x 1,50 m
14:08 min, 16:9, Loop 
Found Footage Tiefseebildmaterial 


Die Installation geht aus der Auseinandersetzung und Arbeit an dem Filmprojekt “Schiffbruch mit Zuschauer“ (Teil II, Arbeitstitel) hervor, bestehend aus insgesamt drei Episoden (TRADING STORIES, Teil I), bei dem zwei weitere Filme entstehen sollen (“Schiffbruch mit Zuschauer” und “Die Bars von Atlantis“, Teil III, geplant für 2017/2018) Die hier entworfene Videoinstallation behandelt inhaltlich Teil II des Episodenprojekts.

Sea You Bye The Sea (English)
Abyss and island. Dream and nightmare. Love and death. Eternal places. Eternal night. Prisons with a sea view. Below and above the sea level. The myth of the journey to the island of love ends in turning away from the world. At the bottom of the sea, where the blue gold has turned into black. Into a fiction. Into a projection. Everything here and there becomes endless.
The reversal of the inverted world is a reversal. 
The installation “Sea You Bye The Sea“ bases on different visual and audiovisual layers and contents for the deconstruction of utopia itself. At the same time “Sea You Bye The Sea“ deals with the model of the island as a symbolic and also real place, but still in a utopian sense.
Found Footage of the deep sea and oceanography, representing a complex system on the bottom of the sea, where the origin of life on earth could have been, is assembled with the filmed image of an unfinished construction site of a building on the “island of love“ Kythera. This scenery is arranged with fragments of the three paintings “Embarquement to Kythera“ (1710, 1717, 1718) by the French18th century painter Antoine Watteau.
Projecting directly onto the floor on the one hand suggests the impression of an island, on the other hand the view of the spectator is directed into the deepness of the ocean, into a dark hole. The spectator himself stands on the edge of an abyss. A gaze into the assumed black nothing, however turns into something alive. A place where strange and unknown beings glow. Like rays of hope fantastic mythical creatures appear and disappear in the eternal darkness of the never ending night in the spotlight of the researchers. This abyss - the shape of the projection - could also be the coast of an island.

STATE OF STAGE (RELOAD)// Installation im Loop// Found Footage// Sound// 14:36 min// 4:3// Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 45 cbm// 2017


































Kinoteppich, Vorhang1 Glitzerstoff, Vorhang 2 Bühnenmolton, Zwei LED Leisten, Spiegel, Projektion, Beamer, Sitzbank, Lautsprecher liegend 


Der Boden ist mit einem Kinoteppich mit Sternenmotiv ausgelegt und grenzt an den Eingangsbereich der Kunsthalle. Er erinnert an einen umgedrehten Himmel, oder einen “Walk of Fame”. Etwas weiter in den Raum hineinversetzt, befindet sich der Eingang. Dieser ist mit einem silbern glitzernden Vorhang, der an Raumfahrt oder an Weltraum erinnert, irgendwie glamourös, verschlossen. Wie ein Lockstoff, der sich dem Körper, in seiner Stofflichkeit einer zweiten Haut anschmiegt, soll er den Betrachter dazu einladen, den Raum dahinter zu begehen. Durch diesen Vorhang betreten wir die ”Schleuse”. In schummrigem LED Licht, das auf einer Leiste auf 2,20 Höhe an der Wand hinter dem Eingang angebracht ist, befinden wir uns erneut hinter einem zweiten Vorhang, der in den sich öffnenden Raum von 4 Metern Höhe in einem klassischen Faltenwurf harabfällt. Dieser Vorhang ist aus schwarzem Bühnenmolton. Wir gehen durch ihn hindurch und befinden uns in dem Raum dahinter. An der Wand uns gegenüber fällt der Blick in einen schmalen Spiegelstreifen, der den Raum optisch vergrößert. Hier spiegelt sich unser Bild und das der Projektion, das in diesem Moment des Betretens auf uns fällt. Unser Körper wird durch den performativen Akt des Hindurchschreitens durch den Zweiten Vorhang zur Projektionsfläche selbst. Als Publikum werden wir plötzlich zu den Akteuren innerhalb dieser Raumsituation. Obwohl wir “hinter“ der Bühne stehen, befinden wir uns plötzlich “auf“ der Bühne, doch glamourös ist es hier nicht mehr. Der Spiegel uns gegenüber erinnert an die Projektionsfenster im Kinosaal, doch aus ihm kommt nicht der Film, im Gegenteil wird er zu unserem Abbild und zum Refexionsinstrument der Projektion, die durch den Beamer auf den Molton fällt und das Bild psychedelisch und organisch verformt. Da wo sich ebenso die Leinwand befinden könnte, befindet sich nun der Spiegel und eröffnet uns den Blick auf uns selbst und in einen virtuellen Raum “dahinter“, sich aus der Spiegelung des Raumfragments mit Projektion ergebend. Wir stehen im “Rampenlicht” des Beamers, der die morbiden Bilder der verlassenen Kinos und Theater auf den Molton projiziert, bekommen Schauspielanweisungen, hören Schreie, ein sich aus den geschnittenen Tonfragmenten erzeugten Monolog, oder Dialog. Der Teppich mit den Sternen ist am Boden verlegt, aber er ist kaum noch sichtbar. Nur durch das weiche Auftreten erinnert er uns an ein Zuhause. Am Ende des Raums befindet sich am Boden eine weitere LED Leiste, die ausser des Beamers, der auch die abgewandelte Funktion des “Scheinwerferlichts“ übernimmt, die einzige Lichtquelle im Raum darstellt, sowie eine Sitzbank.

Die Videoarbeiten von Jennifer Mattes (* 1982 ) siedeln an der Schnittstelle verschiedener Genres, darunter Dokumentar- und Essayfilm, Hollywoodkino oder Youtube-Clip. Ein Kennzeichen ihrer künstlerischen Praxis ist die Arbeit mit bestehendem Filmmaterial aus den visuellen Datenbanken des Internets – sogenanntem Found Footage – das sie zu neuen Erzählungen kombiniert. Zusammen mit selbst gedrehten Filmsequenzen ergeben sich hieraus präzise Analysen zeitgenössischer Bildkultur sowie humorvolle Kommentare zu ihren favorisierten Themen Suche, Scheitern, Liebe und Begehren. 
Im Studioraum 45cbm der Kunsthalle wird die Künstlerin ihre Videoarbeit „State of Stage“ (2013) in einer ortsspezifischen Installation neu präsentieren. In montierten Szenen kreist „State of Stage“ um die performative Herstellung individueller Selbst- und Fremdbilder auf der Bühne des Lebens wie im virtuellen Raum neuer Medientechniken. Kernstück des Videos bilden die von anonymen Internetnutzern gefilmten Ortsbegehungen verlassener Kinos, die Mattes auf der Videoplattform Youtube aufgespürt hat. In Kombination mit weiteren Filmfragmenten und Tonspuren aus dem Netz hat die Künstlerin diese zu einer Meta-Erzählung über theatrale Räume und identitäre Rollenspiele verdichtet. Während der Monolog einer Schauspielerin aus dem Off den Betrachter in reflexiver Distanz zum Bildgeschehen hält, übertragen Tondramaturgie und kalkulierte Spannungsbögen die affektiven Markierungen von Theater und Kino auf die Rezeptionssituation der Ausstellung. In ihrem Entwurf für Baden-Baden – der Einrichtung eines Backstage-Bereichs, der zugleich die spezifische Raumsituation des Kunsthallen-Entrées in sich aufnimmt – wird Mattes diesen Wirkungseffekt gezielt inszenieren. Text zur Ausstellung: Marie Himmerich 

TIME TO STAY GOODBYE THE CASE// Kunsthalle Exnergasse, Wien “SEARCH FORM“// Installation im Loop// HD und Found Footage// Sound// 29:12 min// 16:9// 2016



































Glaskörper, Rückprojektion
Holzpodest, graue Farbe
Lautsprecher, Minibeamer,
Buttermilch
Installation im Loop
HD und Found Footage, Sound
29:12 min,16:9


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Die Installation geht aus der Auseinandersetzung und Arbeit an dem Filmprojekt “Schiffbruch mit Zuschauer“ (Teil II, Arbeitstitel) hervor, bestehend aus insgesamt drei Episoden (TRADING STORIES, Teil I), bei dem zwei weitere Filme entstehen sollen (“Schiffbruch mit Zuschauer” und “Die Bars von Atlantis“, Teil III, geplant für 2017/2018) Die hier entworfene Videoinstallation behandelt inhaltlich Teil II des Episodenprojekts.

Die geplante Recherche Arbeit und daraus entstande Installation zu Teil 2 knüpft an einen vorausgehenden Film (Trading Stories, 2015) an. Sie führt eine Figur - die des Tauchers fort. Dieser befindet sich zwischen zwei Welten und zwischen zwei Filmen: Nach Schiffbruch auf dem Weg an den Meeresgrund, in die Bars von Atlantis (Teil 3). Er/Sie strandet auf der Insel Kithera, dem Geburtsort von Aphrodite und Motiv einer aus der Kunstgeschichte stammenden dargestellten Utopie auf den Fete-Galantes Gemälden des französischen Malers Antoine Watteau aus dem 18. JH. Diese Gemälde wurden im Laufe der Geschichte fortlaufend von, auf die höfisch-aristokratische Gesellschaft Frankreichs folgend, immer wieder neuen Gesellschaftsschichten für deren utopische Zwecke adaptiert und zum Ideal erklärt. Anhand dieser Auseinandersetzung mit dem Inselmotiv und dem Motiv der Weltflucht, aber auch der Aneignung von Geschichte und Bildmaterial, soll die Installation als Recherchearbeit zu den eigenen Rechercheprozessen in einer laborartigen Situation (dem Glaskörper) umgesetzt werden und die Hilflosigkeit und unerwarteten Begegnungen mit Wesen aus der unbekannten Geschichte und Welt unterhalb der Wasseroberfläche, möglichen Charakteren, auf der Suche nach der zu erzählenden Geschichte transportieren.

Am Anfang war das Rätsel. Und der Koffer. Koffer voll irgendwas. Bilder, Informationen, Erinnerungen, Müll. Aufgeblasen wie ein Ballon, der zu schwer zum Fliegen ist. Alles hat einen Gemeinplatz, der das Bilderbuch, die Bibliotheken von Babel, die Müllhalden vereint. Nennt es Archiv oder Kanon oder Gedächtnis, auf den Namen kommt es nicht an. Irgendwo dazwischen bewegt sich eine Erinnerungskultur. Die Projektionsfläche. Erst die „archivarische Geste“, ein Akt der „Konsignation“, eine Verortung in ein Zeichensystem macht das Archiv, macht den Autor, den „neuen Archivar“. Welches ist die zu erzählende Geschicht? Hier ist meine Bühne, mein Land, meine Grenze, mein Selfie. Dies ist das Archiv. Der Urlaubsort. In den ich eintauche - Das Meer. Das Bildermeer. Wo ist sein und mein Ursprung? In der Projektion des Subjektiven wird er unser Ozean, unser Unser, unsere Ermittlung, unser Forschungsgegenstand. Suchen bestimmt diese Suche. Denn dieser Ort benennt Dinge, die dadurch erst zu Dingen werden. Während man findet.

Das kollektives Gedächtnis wächst in Bilderhalden und wickelt sich um unsere Bewegungen, Träume und Sehnsüchte. Bis an den Grund des Meeres. Bis ans Ende der Erinnerung. Immer Mythos. Von hier aus schauen wir ins Leere. Schiffbruch mit Zuschauer. Und Taucher. Zwischen Auftauchen und Ertrinken. 

A DIVE// Part 1: Aquarium, Rückprojektion Installation im Loop Found Footage, Sound 22:44 min,16:9// Part 2: Videoprojektion, Spiegel Installation im Loop Found Footage 19:10 min, 16:9// 2016



































A DIVE, Part 1
Aquarium, Rückprojektion
Installation im Loop
Found Footage, Sound
22:44 min,16:9
2016

Part 2
Videoprojektion, Spiegel
Installation im Loop
Found Footage
19:10 min, 16:9 

2016


Die Installation besteht aus zwei Videos. Das erste Video zeigt Ausschnitte von Unterwasservideos, die Perspektiven, Blickrichtung an die Wasseroberfläche von unten zeigt. Diese wurden in einen Ablauf gebracht und stellen einen Zustand zwischen Auftauchen und Ertrinken dar. Eine Zwischenwelt voll sonderbarer Bewegungen Rhythmen und Lebewesen. Die Projektion der Blickrichtung nach Oben befindet sich am Boden eines Aquariums als Rückprojektion, das mit Wasser gefüllt ist. Dadurch findet eine Art Perspektivenaustausch/Umkehrung statt, anschließend verdoppelt sich das Bild an der Decke zu einer durch das Wasser verzerrten Projektion. Das Bild wird prismaartig mehrfach durch den rechteckigen mit Wasser gefüllten Glaskörper, dem Display, gebrochen. Der Taucher, als Protagonist, befindet sich in einer kontinuierlichen Bewegung zwischen Abwärts und Aufwärts.
Der im Vergleich zum Bild den vollkommen dunklen Raum einnehmende atmosphärische düstere Sound besteht aus Unterwassergeräuschen und Geräuschen aus dem Universum, Planeten. Der Raum ist bis auf die Projektion abgedunkelt. Das Objekt kann umgangen werden, es schwebt, es ist möglich hineinzusehen oder hineinzufassen. Der Ozean wir in einem kleinen Aquarium “geframed“, gerastert, konzentriert. bzw. eingerahmt und beschreibt den Prozess einer Einbettung von (politischen) Ereignissen und Themen in einem subjektive Deutungsrahmen durch massenmediale Akteure auf einer symbolischen Ebene.

Die zweite Projektion zeigt ein Video mit Ausschnitten aus der bioluminiszierenden oder fluoreszierende Tiefseewelt und sogenannten schwarzen Rauchern am Meeresboden. Dieses Videobild ist gedoppelt mit einem Bild des Universums und Sternen. In der Projektion befindet sich eine runde Spiegelfläche, die an ein schwarzes Loch erinnert und ein Bild an die Wand gegenüber spiegelt, das an den Blick aus einem Bullauge erinnert. Der Betrachter befindet sich quasi als Forscher oder Taucher selbst im Inneren eines Schiffes oder einer Kapsel auf einer Expedition/Reise am Meeresboden.

TRADING STORIES - A Cargo Named Desire// HD und Found Footage// 41:56 min// 16:9// 2015



































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Lange ist sie da draussen, auf der hohen See der Bilderwelt, in diesem Meer des gefilmten Verstummens umhergetrieben. Und schließlich wird sie 
jemandem vor die Füße gespült. A MESSAGE IN A BOTTLE. Ein versiegelter Fetzen Bilder und Worte mit keinem Adressaten, außer dem Zufälligen, 
der ihn findet und zu sehen beginnt. Trading Stories ist eine Spurensuche und erzählt eine, oder mehrere Geschichten über das Geschichten erzählen und 
über die Liebe. Aber er erzählt keine Liebesgeschichte. Basierend auf einer Reise von Hamburg nach Qingdao im Jahre 1905 von einem Urgroßvater der 
Regisseurin, begab diese sich auf dessen Spuren mit einem Containerschiff. Der Weg führte über Hamburg, Antwerpen, Suez und Singapur nach 
Qingdao in China. Heute eine wichtige Handelsroute. Und das gedreht Material ist deshalb in einem marktwirtschaftlichen Kontext ver-ortet. 
Doch das von der Regisseurin verfolgte Thema bringt es mit sich, dass die Suche nach der Geschichte nicht ohne Seitensprünge in fremde Bilder und 
Texte einhergeht. Nur im „Fremdgehen“ ist die Geschichte zu erzählen und wird so zu einer „Irrfahrt“ auf dem Ozean der Symbole, Bilder und Gefühle. 
In einer Collage aus dem dokumentarischem Bildmaterial der Reise, Found Footage aus dem Internet und Filmen, sowie Text aus allen möglichen Quellen 
oder eben selbstverfasst, wird ein ständiges Zwischen-den-Möglichkeiten und Unmöglichkeiten von Empfinden und Anziehung verhandelt, das im 
Kontext globaler Marktstrukturen steht. Dieser Film ist wie die Botschaft in einer Flaschenpost, die auf dem Meer treibt, vom Zufall bestimmt, vom Nicht-
Kontrollierbaren, Nicht-Bestimmbaren innerhalb einer Welt der Kontrolle und ohne Zufälle - dem Seehandel. Dieser Logik folgt er, in der Montage und in 
seinen Überlegungen, die ihm zugrunde liegen. Er gleicht einem Tauchgang in das Unbewusste, in seine Abgründe und Tiefen. Die Flaschenpost 
überbringt keine Schatzkarten mehr, sondern Geschichten vom Vergessen, Unendlichkeit, Tod und Scheitern als Botschaft. Und überhaupt - eine Flaschen-
post ist romantischer Müll, wo doch soviel Müll schon produziert wird… Das Risiko der Seenot ist die Alternative zum Stillstand. Das Meer ist lebendige 
Unendlichkeit und lebendige Gleichgültigkeit. Ein Massengrab unserer Gesellschaft. Aber Ambivalenz war schon im Urbild des Schiffes angelegt. Aus dem 
unwahrscheinlichen Wagnis der Meeresbezwinger, sind die Katastrophen unserer Kultur geworden. Auch der Schiffbruch erweist sich, nachdem alle 
Grenzen überschritten wurden, als bloße Episode, ganz gleich, wie oft er sich wiederholt. (Durs Grünbein, Die Bars von Atlantis) 
Zwischen dokumentieren und dramatisieren setzt sich das Video mit einer gegenwärtigen komplexen politischen, sozialen und ökonomischen Situation 
auseinander, in der sich innerhalb des kapitalistischen Systems Liebe, Ökonomie, Handel und individuelle, historische und kollektive Geschichte gegen-
überstehen. Verhandelt werden Dimensionen und vermeintliche Auswirkungen einer globalisierten, technologisierten und vernetzten Welt, die sich auf 
Ebeneder Empfindung äussern. Nicht die „Verursacher“, sondern die „Symptome“ werden sichtbar, die einem Kreislauf des Scheiterns entsprechen. Das 
Containerschiff, dessen Fracht oder Last die der Geschichte und aller Geschichten und auch der Liebe ist, wird zur Metapher für das Unbewusste, 
Modell für die menschliche Seele, zum symbolischen Repräsentanten des Körpers einer Gesellschaft, Symbol für den Aufbruch und das Wagnis des Lebens 
und spiegelt seine Spannungen, Ambivalenzen und Widersprüche wieder. Die Maschine ist eine Zeitreisende. Und die Menschen werden zu Maschinen 
aus Wünschen und Sehnsüchten, die lauschen.
Die unterschiedlichen Stimmen vermischen sich. Die Bestandteile der Geschichte und ihrer Protagonisten, sind Klischees und Wiederholungen, 
Massenprodukte und endlose Kreisläufe - wie der Markt selbst. Denn wenn die Geschichte (oder die Liebe) schließlich auf ihren Gegenstand treffen, 
wenn sie einander treffen, um sich zu einer Liebesgeschichte zu verbinden, dann entsteht so ein Bild, das so ähnlich sein könnte, wie das von dem 
riesigen Containerschiff, das, aus vollkommen unklaren Gründen vom Kurs abgekommen, direkt auf einen Sportplatz zusteuert. Das ganze Leben hat man
darauf gewartet, sich genau in diesem Augenblick zu begegnen, und dann das…Oder wie das Brautpaar zu Beginn, dessen Geschichte gerade angefangen 
hat, sieht man zu einem späteren Zeitpunkt im Film, dass es sich um viele Brautpaare mit vielen Geschichten handelt. Es ist nicht eine Geschichte, es sind 
viele. Die vermeintliche Einzigartigkeit ist eigentlich ein milliardenfacher Gemeinplatz.

“Wer romantisch bleibt, obwohl er dazulernt, der wird ein Ungeheuer. Wer nicht dazulernt, aus dem wird ein Narr.”

DISKOSPRITE// HD und Found Footage// 12:14 min// Installation im Loop// 4:3// Gemeinsam mit Michael Gülzow// 2015





































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Auf einem alten Röhrenbildschirm, der neben einem noch älteren VHS Gerät steht läuft ein Video. An der Wand hinter dieser Anordnung hängt eine Reihe alter Poster mit Bildern von Musikgruppen und Stars aus dem deutschen Jugendmagazin “Bravo”. In dem Video sieht man eine nicht identifizierbare Person ein Fahrrad eine dunkle Allee hinaufschieben und dabei Alkohol trinken. Diese Szene erinnert an jene aus Horrorfilmen oder Thrillern, bevor der Protagonist attackiert werden wird. Die Kamera nähert sich der Figur, aber nichts passiert, weil der Schmerz schon da ist, versteckt unter einem Hasenkostüm, das die Person trägt. Bestimmte Key-Momente innerhalb des Videos werden von Found Footage Bildern unterbrochen, die die fiktionale Mythologie romantisierter Sexualität durch visuelle Übertreibungen, und daraus entstehende Erklärungen der fiktionaler Erzählstrukturen selbst, hervorheben. Während der ganzen Szene hört man ein Voice Over, das eine sogenannte “mein erstes Mal“ Geschichte aus einer Bravo rezitiert. Im Fall der Protagonistin, die offensichtlich minderjährig zu sein scheint, erlebt diese ihr erstes Mal mit einem vermutlich 30 jährigen Mann. Der Tonfall ihrer Beschreibung ist durchgehend positiv, auch der schmerzhafte Verlust ihrer Jungfräulichkeit wird als positiv empfunden. Die sexuelle Erfahrung wird auf die Ebene einer mystischen Erfahrung emporgehoben. Die Nacherzählung des “ersten Mals“ wird zur Fiktionalisierung und Stilisierung der Nacherzählung selbst.
Durch an den Rand drängen des negativen männlichen andere Aspekts in der Umsetzung der Geschichte und durch behaup-ten einer Illusion der Wahrheit im ausschließlichen Erzählen in der ersten Person, wird die sexuelle Begegnung neu “erinnert”. Emotionale und soziale Inter-aktionen durchlaufen eine Verdinglichung im Zusammenhang des narratologische Rahmen der “ersten Mal“- Konstruktion. Die gebrochen - synthetische Aussprache, hervorgerufen durch das Sprachprogramm, das verwendet wurde bei der Aufnahme des Textes, umreißt die komplexe Collage aus verschiedenen digitalen Stimmen und entfremdet die Erfahrung der Realität und ihrer Einzigartigkeit, sowie der Konstruktion ihrere Nacherzählung als solche erneut.

Die Anordnung und Auswahl der Reihenfolge der Bravo-Interpreten entsprach dem Ablauf der 90er Jahre Musik, die während der Pausen zwischen dem erneuten Abspielen des Videos zu hören waren, während man auf dem Bildschirm einen Rückwärts-Countdown sah. Die Musikstücke innerhalb dieser Zeit wechselten über einen Zeitraum von insgesammt ca vier Stunden, so dass die komplette Poster-Reihe durchgehört wurde und sich kein Song wiederholte.

Viertel nach Eden// HD// 27:06min// 16:9// 2014


































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Stell dir vor, es ist Paradies und du musst bleiben

„Viertel nach Eden“ ist ein Film, der sich mit den Abgründen eines alternden, verlassenen und zum Verkauf stehenden Paradieses beschäftigt, angesiedelt zwischen Normalität, Absurdität und Surrealität. Die Hauptrollen spielen Orte, Objekte und Szenarien der Aussteigerinsel La Gomera. Jene werden zu Anschauungsobjekten, Monumenten für eine Landschaft, in die sich die Spuren des Verfalls und der Regeneration durch die Natur sichtbar eingeschrieben haben. Das Paradies scheint nicht zu sein, was es einmal war, sondern nur eine Insel, die den Gesetzten von Wirtschaft und Gesellschaft unterworfen, und von der Sichtbarkeit kultureller Spuren gezeichnet ist. Die Grenzen zwischen Dokumentation und Fiktion vermischen sich und bilden in einer symbolischen metaphorischen Bildsprache die Grundlage der filmischen Umsetzung der Auszüge aus einer imaginierten Landschaft. Ein umgekehrter Eskapismus, der zu einer Falle geworden ist und sich in dem ankommenden und gestrandeten Schiff, der Arche, wiederspiegelt, die ihre Rückreise nicht mehr antreten wird. Viertel nach Eden ist das Portait eines ausgebrannten Paradieses, dessen Bedeutung sich verändert hat oder schon immer eine andere gewesen ist. Menschen kommt die Kamera da am nächsten, wo sie auf Fotografien abgebildet und für die Nachwelt festgehalten sind. Das Paradies hat ein Ablaufdatum. Wonach suchen wir dort? Ist es der Blick von außen nach innen oder der Blick von innen nach außen. Womöglich beides. Die Möglichkeit der Rettung in der Transzendenz scheitert. Die Erlösung bleibt aus und wird zu einer Auferstehung des nicht Kontrollierbaren, zum Phantasma, zum Alltag. 

Be here Dragons!// Found Footage// 11:18 min// 4:3// 2014


































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Eine Welt werden observiert. Immer ist die Kamera von Bedeutung, als beweisführendes Element. Der Blick. Das Suchfeld. Im Dokumentieren von jenen Welten, wird die Existenz von Übernatürlichem behauptet. Und von so allem möglichen. Ob man dabei getäuscht wird oder nicht, bleibt neben dem eigenen Gefühl letztendlich der Behauptung von Realität und der Montage überlassen. Zauberei, Geister, Spuk, Aliens... Das Internet wird zu einem Ort, an dem unterschiedliche Abbildungen dieser Phänomene sichtbar werden, bzw der Versuch einer Sichtbarmachung stattfindet. Das Repertoir reicht von “sozialem“ Spuk bis hin zu “realem”, von Geisterstädten bis hin zur Abbildung “echter” Gespenster und Ufos. In dieser Arbeit geht es weniger um die Geister von Google Street View, als um die Darstellung grenzüberschreitender Phänomene, nicht Darstellbarem und den Versuch, eine daraus resultierenden Bild-Symbolik zu entwickeln, die sich an ihrem Herkunftsort orientiert. Der Titel der Arbeit leitet sich aus der Formulierung “hic sunt dragones” - “here be dragons” - aus dem 16. Jahrhundert ab. Dieser bezeichnete ein Gebiet jenseits der Landkarten, das als unerforscht galt, wo man davon ausging, Drachen und mystische Wesen vorzufinden. Das Fehlen von Beweisen, das Ausloten von Grenzen und Bildern, Übernatürliches als Unterhaltung werden mit Humor und Ironie reinszeniert, entmystifiziert und in Frage gestellt. 

The Rat Man`s Dwarf (A Survival of Madeline)// HD// 06:10min// 2013// Gemeinsam mit Patrick Topitschnig

































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1909 erschienen die Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose, in dem F. die Analyse des von ihm so genannten Rattenmanns schilderte. Die Analyse der Phobie des kleinen Hans - im gleichen Jahr erschienen - beschreibt die Fallgeschichte des 5jährigen Sohns von Max Graf, einem Musikwissenschaftler und begeistertem Anhänger der Psychoanalyse sowie regelmäßigem Teilnehmer der Wartezimmerrunde in Freuds Praxis. Der kleine Hans hatte eine Pferdephobie entwickelt; im Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts bedeutete dies, das Haus nicht mehr verlassen zu können. 
Ausgehend von dem oben beschriebenen Bemerkungen zu Zwangsneurose werden in dieser Videoarbeit die Räumlichkeiten einer leerstehenden alten Mühle in der Wachau dazu verwendet, den “Zwangzwerg”, der dieses Haus zu bewohnen scheint, vorzustellen. 

Aber die Arbeit orientiert sich vor allem auch an der Geschichte “The Fall of the House of Usher“ (gelesen von Richard Taylor) von Edgar Allan Poe, in welcher die scheinbar verstorbene Schwester des Hausherren Usher wieder aufersteht und in einem desolaten Zustand - gleich dem Haus - gemeinsam mit jenem untergeht. “The Rat Man´s Dwarf“ erzählt davon, was “hinterher“ geschah, nach der Wiederauferstehung von Lady Madeline, hätte der Untergang nicht stattgefunden und sie überlebt. Verschiedene Bewußtseinsebenen, durch die Räumlichkeiten beschrieben, sollen diese in Bildern repräsentieren. Der Versuch einer Dekonstruktion das Horrorfilmgenre durch Überzeichnungen wird unternommen.



STATE OF STAGE// Found Footage// 14:36 min// 4:3// 2013

































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Virtuelle Abbilder verlassener Bühnen und Theater werden zum fiktiven Set der Akteure auf ihrer Suche nach Identität, nach einer Rolle. Alles beginnt mit dem Blick auf den Screen und endet mit dem Blick aus ihm heraus. Durch Eintauchen in subjektive Sichtweisen und Perspektiven werden Beobachter zu Beobachteten. Ein Rolletausch wird inszeniert: Publikum einerseits als Konsument und andererseits als Produzent. 
„State of Stage“ ist eine Auseinandersetzung mit verschiedenen “Zuständen” oder Bedingungen von Bühnen, Orten der Selbstpräsentation und Darstellung. Die Herkunft des Materials verändert den Inhalt, wandelt und bestimmt ihn (Marshall McLuhan). Durch seine virtuelle Herkunft versucht “State of Stage” an der Schnittstelle von Kino, Theater und Internet, unter Verwendung unterschiedlicher Quellen im Off, Themen wie Suche, Identität und Selbstdarstellung, sowie den filmischen, performativen und virtuellen Raum zu untersuchen, aber auch der Frage der Vermischung jener nachzugehen. Die unterschiedlichen “Bühnen” (leerstehende Theater und Kinos, das Internet selbst als performativer Raum und zuletzt analoger Film) stehen bildlich für den “Zwischenraum” der, mittlerweile oder von je her verlassen, eine Art Leerstelle entstehen lässt, obwohl an diesen Orten große Gefühle und Emotionen verhandelt, vermittelt und erlebt werden.

Der Film beginnt mit Textauszügen aus John Cassavetes “Opening Night“, in welchem die Schauspielerin Myrtle Gordon (gespielt von Gena Rowlands) eine Krise erleidet. Sie soll die Rolle einer Alternden in einem Theaterstück spielen und gibt sich daraufhin in Selbstzweifel, während der Proben dem Alkohol hin, da sich ihr eigenes Leben, ihre eigenen Ängste mit dem ihrer Rolle vermischen. Am Ende wird ihr betrunkener Auftritt ein Erfolg. Als nächstes hört man Auszüge von Anweisungen der Schauspiellehrerin Uta Hagen in ihrer Schauspielklasse, die über Charakterentwicklung und den Umgang mit dem Publikum, sowie der eigenen Rolle auf der Bühne spricht. Diese Textfragmente treten in Dialog mit jenen der Amateurfilmern aus den Youtubevideos und ergeben so, indem sie ihrem ursprünglichen Kontext entzogen wurden, eine befremdliche Doppeldeutigkeit. Eine Auseinandersetzung dieser Amateurfilmer mit ihrer “Rollenentwicklung“, ihrer Suche entsteht. Ein Szenario der ungeplanten, uneinsichtigen, nicht vorhergesehenen Probe entsteht. Der Bogen wird weitergespannt, über den Projektionsraum im Kino, der zu einem Körper zu werden scheint, einem Ort an dem Emotionen erlebt werden, hin zum eigentlichen Film(material), und dem Hollywoodkino schlechthin. An dieser Stelle tritt Tomata du Plenty aus Rene Daalders Undergroundmusical “Population: One“ hinzu, der, nach einer nuklearen Katastrophe als einziger Überlebender auf Erden mit Hilfe seiner Erinnerung an anderen Menschen, diese zum Leben erwecken kann. Er lebt fortan in einer Welt der Projektionen in einem dunklen Bunker, ausgestattet mit jeder erdenklichen Technik und erfindet die Geschichte.

Hello World! (travelling in progress)// Videoblog aus dem “TRADING STORIES” (2015) zugrunde liegenden Reisebericht von 1905






























































world-wide-wayfarer.blogspot.co.at

Aufgrund eines von meinem Urgroßvater überlieferten Reiseberichts von 1905, in welchem er mit der damaligen Marine von Hamburg nach Qingdao in die erste Überseekolonie des noch bestehenden Kaiserreichs unterwegs war, begann ich mich für dieses Thema zu interessieren. Später würde hieraus der Film TRADING STORIES hervorgehen (s.o.).
Nun war dieser Reisebericht jedoch weder poetisch noch pathetisch oder etwa romantisch - worauf ich gehofft hatte, da mein Sehnsuchtsempfinden geweckt war, durch dieses alte Dokument, abgetippt von einer Cousine, für die Nachwelt somit erhalten. Dieses koloniale Unternehmen wollte ich in einer künstlerischen Arbeit kritisch beleuchten und zum Ausgangspunkt meiner eigenen Erzählung machen. Meine Geschichte und die Geschichte der anderen verbinden.
Bei meiner Recherche gelangte ich zu den Ergebnissen, dass es sich bei dieser Strecke um eine heute stark befahrenen und sehr wichtigen Seeweg handelte. Insofern spielte sich das ganze heute in einem Kontext unsichtbarer globaler Marktstrukturen ab, was wichtig für die ganze Arbeit, auch bezüglich dem später entstehenden Film wurde. Fern ab von unseren Gesellschaften, Befindlichkeiten und unserem Bewußtsein, jedoch inmitten eines Mythos aus Sehnsucht, Fernweh und Urlaubsfantasien.

Um diesem “Netzwerk” der Globalisierung treu zu bleiben, auf einer symbolischen Ebene, und den persönlichen privaten Aspekt dieser und anderer Netzwerke hervorzuheben, entstanden zu den einzelnen, doch sonderbaren Tagebucheinträgen meines Urgroßvaters, auf Basis seiner irritierenden Beschreibungen und Ortsangaben, einzelne Videos zu den jeweiligen Stationen. Diese stellte ich zusammen, indem ich mich auf diese “Originalroute“ im sozialen Netzwerk von Youtube begab. Die nüchternen Tagebucheinträge übernahm ich als Untertitel für die einzelnen virtuellen Reisestationen und Blog-Einträge. Hieraus entstand dann der nachfolgende Videoblog in Tagebuchform aus dem ursprünglichen befremdlichen Beschreibungen dieses mir Fremden Gefreiten Rüger und den Bildern fremder Menschen, die diese Videos zu den jeweiligen Orten hochgeladen hatten. Ich beließ die Originalsoundspuren meiner “Reiseautoren”, wie auch die original Textauszüge meines Urgroßvaters, um die Authentizität des Research-Blogs zu erhalten. Wie auch der Bericht von 1905 irgendwann festgehalten und somit überliefert wurde in das Jahr 2012, so bleiben auch die teilweise mittlerweile gelöschten Videos der User durch meine Rekontextualisierung für die Nachwelt erhalten und stehen für die digitalen Spuren, die sich trotz ihrer Unsichtbarkeit - gleich der Schiffahrt - in die Geschichte eingeschrieben haben.


Destroit// Found Footage// Soundfragmenten der Serie “Dexter“// 11:56min// 4:3// 2012

































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Einer YouTube-Statistik zufolge werden täglich Videos mit einer Gesamtdauer von mehreren hundert Millionen Stunden wiedergegeben und Milliarden Aufrufe getätigt. Insgesamt entfallen beinahe ein Drittel aller Internetnutzer_innen auf das Videoportal. Das beweist, dass ein großer Teil unserer Gesellschaft versucht, sich mit Hilfe der sozialen Netzwerke ein Gehör zu verschaffen und ein starkes Mitteilungsbedürfnis besitzt. Besonders deutlich wird dies in Jennifer Mattes Videoarbeit Destroit (2012). Wie der Titel, eine Wortverschmelzung aus „destroy“ und „Detroit“, schon nahe legt, zeigt die Videokünstlerin den Verfall der ehemaligen Industriemetropole Detroit anhand von gefundenem Filmmaterial und Sound-Mittschnitten aus der Serie Dexter auf. Zerstörte Häuser, verlassene Grundstücke und leere Straßen als Folge der Automobilkrise und Abwanderung aus der Stadt in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bilden den thematischen Schwerpunkt der Arbeit. Hauptelement des Werks und gleichzeitig Symbol für den wirtschaftlichen Aufschwung ist das fahrende Auto. Es stellt hier allerdings vielmehr Rückgang als Fortschritt dar, obwohl es sich dennoch fortbewegt. In dieser Arbeit wird besonders deutlich, wie nahe Aufschwung und Verfall beieinander liegen. Die Kehrseite des kapitalistischen Systems und die damit verbundene Flucht der Gesellschaft aus der ehemaligen Industriemetropole ist die Hauptaussage der Aufnahmen. Detroit steht sinnbildlich für das Scheitern und den Rückzug einer Gesellschaft, die in ein Abhängigkeitsverhältnis zur Automobilbranche geraten ist und vom Erfolg nur zeitweise profitieren konnte. Darüber hinaus schafft Jennifer Mattes anhand eines Amateurfilmers, der in einem Teil des Videos selbst auftritt, einen sehr persönlichen Zugang. (Text: Julia Sterr, Kunstverein Gegenwart, Leipzig)

Innerhalb einer „Pornografie der Zerstörung“ und anhaltenden Glorifizierung werden Vergleiche zwischen dem Jargon eines Serienkillers und den Ruinen, Monumenten des Zerfalls, den “Leichen”, hergestellt. Die Gebäude sind zu blutleeren Hüllen, zu Gespenstern geworden, die aus der Vogelperspektive abgeflogen werden, Zeugen des Aufstiegs und Falls. Sie überdauern. Sie finden neue Bewohner und erlangen neue Bedeutungen. Sie werden zu Kunstwerken, Spielplätzen und Ruinen erklärt, deren Räume Geschichten in sich tragen. Dennoch sind sie gleichzeitig „Mordopfer“ eines Serienkillers, der amerikanischen Wirtschaft im postindustriellen Zeitalter, Abbild einer Misswirtschaft und des Frusts der Bewohner der Stadt, die Videos im Internet posten, in welchen sie ein Medium gefunden haben, sich Gehör zu verschaffen, abseits falscher Versprechen und Glorifizierungen des Verfalls. 




Surfing the Surface Lesson 1 - Surfisticated (I always wanted to be an artist. Where is my Mojo?)// Found Footage// 07:06 min// 4:3// 2012


































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“Surfing the Surface“ ist ein satirisches Fragment über die Unmöglichkeit und den aufkommenden 
Frust bei der Kunstproduktion, über die Suche nach Anerkennung, Selbstverwirklichung und Erfolg. Bewußt wird mit bestimmten bekannten Persönlichkeiten aus der Kunstwelt und Öffentlichkeit gespielt. Ein Film über Höhenflüge und Bruchlandungen, shoppende Schafe, Blitzlichtgewitter, das keines ist und den eigentlichen Stars der Internetwelt, den Tieren. Einmal im Haifischbecken schwimmen und nicht untergehen scheint in der Aufforderung und einem unermüdlichen Aufruf zu münden, nicht aufzugeben und dennoch nach Hause zu gehen. Ein Internetvideo über ganz normale “Aussenseiter“, aussergewöhnliche Kunststücke und vermeintliche Katastrophen.

Hard(Life)Drive - Aus dem Leben einer Festplatte// Videocollage// Blog// Text// 07:43 min// 2011





TEXTAUSZÜGE 

“mein tag ist ein kaffeefleck im notizbuch. irgendwie störend und doch so bekannt, dass sein anblick mich mit einer gewissen wärme erfüllt und beruhigt. zu gast bei mir: gast auf lebzeit. ... das mit dem vergessen ist so eine sache. man könnte es so sehen. ein ende ohne zensur ließe auf sich warten. und wie jazzmusik, die sich nie entscheidet, die ein auf und ab ist, sich mal gut fühlt und dann wieder traurig wird, ist heute der tag sinnlicher frustaration... just in diesem moment sucht mich das gefühl des betrugs heim. wo das jetzt herkommt, kann ich nicht genau sagen, mir aber denken. es gründet in meiner eigenen unsicherheit. also muss ich dagegen angehen. meine pflicht als ehrenwertes mitglied dieser gesellschaft, nämlich meiner eigenen, erfüllen. 
RITSCHRATSCH-KRIMMSKRAMMS-LEBENSGEFAHR IM PENTHOUSE!!!
habe wiedermal auf dem heimweg meine attacken bekommen und beschlossen - aus gesundheitlichen gründen - besser nicht nach hause zu gehen. und die verzweiflung über mich selbst ließ mich an meiner wohnungstüre vorbeischweben und flog mich direkt in meine stammkneipe ums eck... klarheit, wenn sie eine farbe wäre, vermischt sich in neuen, bisher unbekannten, noch nie dagewesenen mustern. fortschritt durch vermissen. ich bin farbenblind.. abschließend das innere gleichgewicht befragend..”
Das Video ist Teil eines Blogs, der sich in Tagebuchform mit Fortschritt durch Scheitern, Zwängen, Sinnlosigkeit, anhaltender Reizüberflutung, Liebe und Identitätskonstruktionen anhand einer ungefilterten Materialflut im Internet, als virtuelle Bühne der Selbstpräsentation, beschäftigt. Ein überzeichneter Charakter wird konstruiert, der sich dauerhaft am Rande eines vermeindlichen Abgrundes, gefangen zwischen Selbstmitleid, Selbstzweifel und Selbstdarstellung befindet. Ständiges Drama wird absolut erstrebenswert und unverzichtbar. Anhaltende Selbstanalysen und Seelenstriptease verlangen ihr Tribut.
Aus diesen Überlegungen entstand das Video als abschließender Teil dieses Blogs. Ein schizophrener, pessimistischer, abgestellter alter Commodore PET mit Existenzängsten läd in einer virtuellen “NOBITESHOW” zwei Gäste ein, die zu bedeutenden Themen etwas zu sagen haben. Natürlich scheitert das Unternehmen und die Existenz. Chaos regiert. Inhaltlich und auf visueller Ebene. Das Voice Over wurde mit einem digitalen Sprachprogramm aufgenommen.



Deviation List - To Happyend Unhappy Tutorial// Found Footage und Mini DV// 10:22 min// 4:3// 2010


































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“To Happyend Unhappy Tutorial“ ist ein Film über Liebe. In sieben Kapiteln werden, ausgehend vom Thema als “central deepest meaning provider for our lives“, Folgen einer überdimensionierten Selbstauseinandersetzung und daraus resultierende Unfähigkeit, das eigentliche Ziel zu erreichen, glücklich zu werden, untersucht. Alles scheint sich nur noch um die Frage “but how do we go about getting it?“ zu drehen, während Gurus damit reich werden, ihr Seelenheil an Verzweifelte zu verkaufen, Erlösung versprechen oder Selbsthilfegruppen wie Pilze aus dem Boden schießen. 
Das „Tutorial“ beschreibt einen Ablauf, wie in sieben Schritten vorgegangen werden könnte. Klischeehafte Verhaltensmuster werden verwendet, um in ironischer Manier zusammengewürfelt und vertrauscht zu werden, auf der Suche nach dem „verborgenen Sinn“. Metaphern wie Frösche, Bäume oder spielende Hunde erhalten durch die Montage mit der Tonspur absurde Bedeutungen. Fragmente der Originalsoundspuren der Youtubevideos sind auf der Soundebene aneinandergefügt und entstammen Videokanälen von “Faster EFT”, “the Player Supreme”, “Zenmack.com”, “Schnellhypnose.de”, “Wealth Vibes” und “Depression End”. Ein Remix, der den ursprünglichen Inhalt, dem Kontext entnommen, entfremdet und auf inhaltlicher Ebene zu einer ad absurdum geführten Bedeutung zusammenfügt. Eine Selektion, die die Bedürfnissen der Konsumenten (nicht) erfüllt. Ein Film über die Richtungslosigkeit einer Suche in der gegenwärtigen Welt.





No Titel// Abgefilmte und animierte Überwachungskamerafotografien// Farbe und SW// 06:14 min// 4:3// 2010

































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Ausgangspunkt dieser Arbeit bilden Fotos von Überwachnungskameras, die im tschechischen Chomutov auf der Straße installiert wurden, um Bilder von Freiern zu machen, die extra eine Reise an den Grenzstreifen und “längsten Strich” Europas vornehmen. Diese Bilder werden direkt auf der Polizeiseite von Chomutov online gestellt und so der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eine Abschreckungsmaßnahme, die letztendlich auch dazu führt, dass die Problematik von der Straße in Privatwohnungen verlagert wird und so auf Kosten der Frauen geht. Der dazugehörige Text wurde aus dem Internetforum „strichweb.com“ zusammengestellt, in welchem die Kundschaft dieser Regionen ihre Erfahrungen austauscht und sich gegenseitig ermutigt. Ich habe mich als Kunde angemeldet, um in den Foren lesen zu können. Der Text wurde danach aus einzelnen Teilen von Beiträgen so zusammengestellt, dass er neuen Inhalt sinnentfremdet wiedergibt. Auf diese Weise soll versucht werden, bewußt eine falsche Perspektive und Romantisierung darzustellen, um so auf den ambivalenten Charakter der Problematik hinzuweisen. Gleichzeitig bleibt auf visueller Ebene “unsichtbar”, was offensichtlich ist. Die Darstellung besteht aus abgefilmten Sequenzen und Ausschnitten dieser Überwachungsbilder vom Computer. Obwohle die Texte vermutlich ausschließlich von Männern stammen, ist als Erzählerstimme bewußt eine weibliche Stimme verwendet worden. Der Wechsel zwischen Schwarzweiss und Farbe hält sich an die Originale.










M.ANY// Found Footage// 08:22 min// 4:3// 2009


































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M. ANY besteht aus Found Footage Videomaterial von Amateurfilmern, die Beiträge ihrer Wohnungen ins Netz stellen und somit Zugang bzw. Einblicke in ihren Privatraum ermöglichen. Lebensräume, die etwas über ihre Bewohner verraten, die Intimsphäre. Die unterschiedlichen Videoausschnitte werden miteinander zu einer Architektur verbunden und durchschritten. Künstliche Übergänge werden hergestellt. Bild und Ton sind voneinander getrennt. Das Foto, Konservierung und Moment vom Tod des Autors nach Roland Barthes, taucht immer wieder innerhalb des ursprünglichen Mediums, in Form von Unterbrechungen, Störungen, Irritation und Stillstand auf. Alle zusammen ergeben Einblicke in eine absurde seltsame Szenerie der Überwachung und Selbstentblößung. Ein Ensemble von Zeichen, Bildern und Übergängen, die sich zu einer Narration zusammenfügen. Das Internet wird zum theatralen, performativen Raum, zur Bühne der Selbstinszenierung. Das eigene Spiegelbild bekommt eine neue Bedeutung. “Im Spiegel sehe ich mich dort, wo ich nicht bin, in einem irrealen Raum, der virtuell hinter der Oberfläche des Spiegels liegt. Ich bin, wo ich nicht bin...Aber zugleich handelt es sich um eine Heterotopie, insofern der Spiegel wirklich existiert, und gewissermaßen eine Rückwirkung auf den Ort ausübt, an dem ich mich befinde. Durch den Spiegel entdecke ich, dass ich nicht an dem Ort bin, an dem ich bin.” (Michel Foucault, Von anderen Räumen)

Der Blick durch die Räume ist ein - durch mich ein zweites mal manipulierter - konstruierter Blick, der sich auf visueller Ebene immer weiter fortsetzt. Der durch Fortführungen und Verdoppelungen erzeugte Raum erscheint künstlich entfremdet und wird zu etwas Bedrohlichem. Der Betrachter wird zum Stalker. Grenzen zwischen privat und öffentlich, zwischen Innen und Aussen, Subjekt und Objekt verschwimmen, werden sichtbar und stellen das Realitätsprinzip von wahr und falsch in Frage. Eine Inszenierung, eine Solo - Show, die sich wieder und wieder innerhalb des Mediums selbst reproduziert und zu einem neuen Ge-satmtbild, innerhalb einer künstlich hergestellten Welt, dem Internet, aneinanderfügt. Eine Bühne, die die eigene Wohnung zur Bühne, die von der Öffentlichkeit mitbespielt wird, macht. Ein virtueller Blick in den Innenraum, in die Seele - durch den Apparat, den Screen. Das Spiegelbild wird Selbstbildnis und Schwelle zu einer sichtbaren Welt. Beziehungen zwischen der Innenwelt und der Aussenwelt, zwischen real und virtuell, zwischen anwesend und abwesend entstehen. Der Bruch des Kreises von der Innenwelt zur Umwelt bringt laut Jacques Lacan die unerschöpfliche Quadratur der Ich-Prüfung hervor. Eine Zerstückelung des Körpers befindet sich in ihm und in seiner räumlichen Befangenheit. Genauso, wie die Wohnung in einzelne Fragmente zerstückelt wird, und so, durch deren Aneinanderfügen ein neues Gesamtbild entsteht, konstruiert sich eine Identität, die sich und allen anderen im Spiegelbild begegnet.






Blind Couple// Analoge Fotografien und Found Footage// Farbe und SW// Loop// 09:03 min// 2008

































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Das Bild in “Blind Couple” wird durch einen Splitscreen getrennt. Beide Videos in den einzelnen Screens gehen von einem unterschiedlichen Ursprungsmedium aus. Private Fotos aus dem Familienarchiv treffen auf öffentliches Videomaterial, analog trifft auf digital. Der Anordung der Fotografien, entstanden zwischen ca 1925 und 1946, die in einer statischen langsamen Bewegung eine Schwerfälligkeit der Vergangenheit repräsentieren und einer abstrakten Geschichtserzählung folgen, werden Videos der Internetplattform Youtube nebenangestellt. Beide Bilder repräsentieren zwei unterschiedliche Zeitebenen von Vergangenheit und Gegenwart. Dokumentation von Vergangenheit trifft auf Dokumentation von Gegenwart. Archiv auf Archiv. Beide verbinden sich auf visueller Ebene, wechseln ihren Platz, existieren einer in der “Zeit“ des anderen, um wieder zu einzelnen Fragmenten zu werden und sich voneinander zu lösen. Ein Nebenander unterschiedlicher Geschwindigkeiten und Ästhetiken, die der Verschiedenheit ihrere Herkunft entsprechen. 
Bewegt und statisch erfordert für das Auge unterschiedliche Sehgewohnheiten. Stets verliert sich der Blick, angezogen durch seine visuellen Reize im digitalen Bewegtbild. Der Ablauf ist geprägt von dem Element Wasser. In unterscheidlichen Aggregatszuständen und Bedeutungen taucht es als Element des Lebens, jedoch gleichzeitig auch als konstante Bedrohung auf. Tragendes und Vernichtendes. Im Splitscreen treffen Szenarien aufeinander, die gemeinsam autonome Zustände beschreiben, sich als Narration ergänzen und dann in einem neuen Bild verlieren, bzw fortsetzt. Straßen, Züge, Schiffe und Flugzeuge, technische Errungenschaften und Fortbewegungsmittel haben Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung genommen und prägen ihren Fortschritt. Dazwischen tauchen Katastrophen auf, die die Utopie der Bilder durchbrechen und immer wieder auf die Rückkehr einer ständigen Bedrohung durch diesen Fortschritt verweisen.

PASS AGE// Analoge animierte Fotografie// SW// 05:14 min// 4:3// 2008

































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In langsamen sphärischen Bewegungen von Details und Ausschnitten wird die Dekonstruktion eines Bildes zur visuellen Grundlage der Arbeit. Der Versuch einer Rekonstruktion, wie jene der Erinnerung, wird unternommen. Die einzelnen Fragmente wiederum erzählen visuell ihre eigene Geschichte. Auf der Tonebene “hört” man das eigentlich “Sichtbare” der Fotografie. In der Entfremdung vom ursprünglichen Motiv, in der Distanz und Abstraktion, liegt die eigentliche Nähe. Im Detail wird eine eigenständige Bedeutung erzeugt, die Einblicke in eine andere fremde Welt gewährt. Diese beginnt sich langsam dem Betrachter zu öffnen. Das Video basiert auf einem alten Familienfoto um 1930. Ebenso, wie das Bild seine Herkunft verbirgt, indem es einen Moment der Vergangenheit, der unwiderruflich ist, als Motiv, als Dokument und Zeugnis seines eigenen “Todes”, sein Abbild einer Zeit danach überlässt, gibt es vor etwas zu sein, was es nicht ist. Der Text im Voiceover ist angelehnt an Georges Didi-Hubermans “Phasmes“. 
Auszug aus “Phasmes“: 

Vollkommen disparate, nur in ihrem “blitzhaften Zusammentreten“ (Walter Benjamin) einander ähnliche Erscheinungen liefern der Ausgangspunkt für Didi-Hubermans Überlegungen. Er kreist seine, zunächst ganz nebensächlich erscheinenden Gegenstände ein, bringt sie dem Leser in erzählerischer Weise nah, löst anfangs gemachte, höchst fragwürdig erscheinende Aussagen auf und führt so auf einem mit Bezügen zu Psychoanalyse, Philosophie, Literatur reich gepflasterten Weg zum Kern seines Gedankens. Das in seiner Beiläufigkeit surrealistischen Bildfindungen ähnliche Prinzip dieser Essays folgt keiner rationalen logischen Konsequenz, sondern in Anlehnung an die Freudschen Bilderrätsel traumhaften Bezügen.

Travel Diary// Found Footage// 10:00 min// 4:3// 2008




































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Travel Diary ist das Tagebuch einer “Reisenden” von Ost nach West an die deutsch-tschechische Grenze und erzählt die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach dem Glück, die als Zwangsprostituierte in einer Grenzstadt endet. Das Bildmaterial dieser, anhand von Erfahrungsberichten und Interviews nachempfundenen Reiseroute, wurde ausschließlich der Videoplattform youtube.com entnommen und stellt so die jeweiligen Bilder in einen neuen Kontext. Das Internet funktioniert als “Reisebüro” und wird zur Informationsbörse für Sextourismus. Ein Netzwerk, das auch als Model für globale Wirtschaft betrachtet werden kann. Ein virtueller Raum, der reale mit medialen Wegen verbindet bildet das Set der fiktiven Dokumentation. Virtualität und Realität eines Konfliktes stehen sich gegenüber und werden innerhalb dieses bestimmten Mediums verhandelt und untersucht. Die Anordnung realer Bewegungen von Menschen wird im Virtuellen nachvollzogen. Durch den Einsatz von Found Footage wird die ursprüngliche Bedeutung der einzelnen Videos in der neuen Anordnung in einen veränderten Kontext gestellt und manipuliert. Die Narration setzt sich somit aus unabhängigen, unzusammenhängenden Fragmenten zusammen, die gemeinsam eine neue bilden. Eine Illusion, gleichsam der Hoffnung der Freier und Frauen, die auf ihrem Weg ins “Paradies”an den Klippen des Wohlstandsgefälles gestrandet sind. Das Voiceover wurde mit einem Sprachprogramm aufgenommen, was den Effekt erzeugen soll, entmenschlichte, entindividualisierte und abstrahierte Aspekte der inhaltlichen Gegebenheiten zu verdeutlichen.

XXXX - Die Identitätskrise des Individuums// Videocollage/installation// Colour, black and white// 14:53 min// 2007













































“XXXX” ist eine Videocollage, die sich mit verschiedenen Zuständen und Überlegnungen des “leidenden“ weiblichen Individuums auf dem Weg seiner Selbstverwirklichung und auf der Suche nach wahrer Liebe beschäftigt. Ausgangspunkt bildet der Monolog, visuell angelehnt an Samule Becketts “Not I“, der vollkommen in schwarz gekleideten, mit weißem Mund angemalten Schauspielerin, die das Ego verkörpern soll. Jenes “führt Regie” und teilt die einzelnen Kapitel des Films thematisch ein. Auf zweiter Ebene setzt sich der Film mit Godards Nana aus “Vivre sa Vie“ auseinander, die, um sich selbst zu verwirklichen, in die Prostitution abrutscht und schließlich erschossen wird. Die dritte Ebene bilden die Aufnahmen auf einer Theaterbühne, eine Metapher für das Leben als performativen, theatralen Raum. Die Geschichte, die hier erzählt wird ist jene einer Sexpuppe und ihres Liebhabers, die gefangen in seiner Welt nicht entkommen kann und durch eine mediale Flut an Bildern und Erwartungen gefesselt schließlich im Mülleimer landet (aus welchem sie wieder befreit wird). Angelehnt an “Vivre sa Vie” wurden Einstellungen aus dem Originalfilm hier übernommen. Zusätzlich wurden Found Footage Aufnahmen aus Pornofilmen, Stellenanzeigen aus Zeitungen und eigene Typografie und Fotografie verwendet, um die Geschichte zu visualisieren. Die vier ständig wiederkehrenden X stehen einerzeits für unbekannte Variablen und andererseits für eine Überzeichnung des Begriffes “XXX”, der für Sex oder Pornografie eingesetzt wird. Abschließend taucht noch Godards Juliette aus “Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß“ auf, die den Monolog auflöst und für den Zustand der Gleichgültigkeit und somit beliebigen Freiheit, aber auch Emanzipation, steht.