11.04.2014

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M: jennifer.mattes@gmail.com

10.04.2014

Viertel nach Eden/ HD/ Farbe/ 27:06 min/ 2014


https://vimeo.com/91219892













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Stell dir vor, es ist Paradies und du musst bleiben

„Viertel nach Eden“ ist ein Film, der sich mit den Abgründen eines alternden, verlassenen und zum Verkauf stehenden Paradieses beschäftigt, angesiedelt zwischen Normalität, Absurdität und Surrealität.  Die Hauptrollen spielen Orte, Objekte und Szenarien der Aussteigerinsel La Gomera. Jene werden zu Anschauungsobjekten, Monumenten für eine Landschaft, in die sich die Spuren des Verfalls und der Regeneration durch die Natur sichtbar eingeschrieben haben. Das Paradies scheint auch nicht mehr zu sein, was es einmal war, sondern nur eine Insel, die den Gesetzen von Wirtschaft und Gesellschaft unterworfen, und von der Sichtbarkeit kultureller Spuren gezeichnet ist.  Die Grenzen zwischen Dokumentation und Fiktion vermischen sich und bilden in einer symbolischen metaphorischen Bildsprache die Grundlage der filmischen Umsetzung der Auszüge aus einer imaginierten Landschaft. Ein umgekehrter Eskapismus, der zu einer Falle geworden ist und sich in dem ankommenden und gestrandeten Schiff, der Arche, wiederspiegelt, die ihre Rückreise nicht mehr antreten wird. Viertel nach Eden ist das Portait eines ausgebrannten Paradieses, dessen Bedeutung sich verändert hat oder schon immer eine andere gewesen ist. Das Paradies hat ein Ablaufdatum. Wonach suchen wir dort? Ist es der Blick von außen nach innen oder der Blick von innen nach außen. Womöglich beides. Dann wird die Suche zu einer ambivalenten. Die Möglichkeit der Rettung durch eine Religion scheitert. Die Erlösung bleibt aus und wird zu einer Auferstehung des nicht Kontrollierbaren, zum Phantasma, zum Alltag.

State of Stage/ Found Footage (Youtube)/ 14:36 min/ 4:3/ 2013


https://vimeo.com/91604501

















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Virtuelle Abbilder verlassener Bühnen und Theater werden zum fiktiven Set der Akteure auf ihrer Suche nach Identität, nach einer Rolle. Alles beginnt mit dem Blick auf den Screen und endet mit dem Blick aus ihm heraus. Durch Eintauchen in subjektive Sichtweisen und Perspektiven werden Beobachter zu Beobachteten. Ein Rollentausch wird inszeniert: Publikum einerseits als Konsument und andererseits als Produzent.
„State of Stage“ ist eine Auseinandersetzung mit verschiedenen “Zuständen” und Bedingungen von Bühnen, Orten der Selbstpräsentation-und Darstellung. Die Herkunft des Materials verändert den Inhalt, wandelt und bestimmt ihn (McLuhan). Durch seine virtuelle Herkunft versucht “State of Stage” an der Schnittstelle von Kino, Theater und Internet, unter Verwendung unterschiedlicher Quellen im Off Suche nach Identität und Selbstdarstellung, sowie den filmischen, performativen und virtuellen Raum zu untersuchen, aber auch der Frage der Vermischung jener nachzugehen. Die unterschiedlichen “Bühnen” (leerstehende Theater und Kinos, das Internet selbst als performativer Raum und zuletzt analoger Film) stehen bildlich für den “Zwischenraum” der, mittlerweile oder von je her verlassen, eine Art Leerstelle entstehen lässt, obwohl an diesen Orten große Gefühle und Emotionen verhandelt, vermittelt und erlebt werden.

Der Film beginnt mit Textauszügen aus John Cassavetes “Opening Night“, in welchem die Schauspielerin Myrtle Gordon (gespielt von Gena Rowlands) eine Krise erleidet. Sie soll die Rolle einer Alternden in einem Theaterstück spielen und gibt sich daraufhin in Selbstzweifel, während der Proben dem Alkohol hin, da sich ihr eigenes Leben, ihre eigenen Ängste mit dem ihrer Rolle vermischen. Am Ende wird ihr betrunkener Auftritt ein Erfolg. Als nächstes hört man Auszüge von Anweisungen der Schauspiellehrerin Uta Hagen in ihrer Schauspielklasse, die über Charakterentwicklung und den Umgang mit dem Publikum, sowie der eigenen Rolle auf der Bühne spricht. Diese Textfragmente  treten in Dialog mit jenen der Amateurfilmern aus den Youtubevideos und ergeben so, indem sie ihrem ursprünglichen Kontext entzogen wurden, eine befremdliche Doppeldeutigkeit. Eine Auseinandersetzung dieser Amateurfilmer mit ihrer “Rollenentwicklung“, ihrer Suche entsteht. Ein Szenario der ungeplanten, uneinsichtigen, nicht vorhergesehenen Probe entsteht. Der Bogen wird weitergespannt, über den Projektionsraum im Kino, der zu einem Körper zu werden scheint, einem Ort an dem Emotionen erlebt werden, hin zum eigentlichen Film(material), und dem Hollywoodkino schlechthin. An dieser Stelle tritt Tomata du Plenty aus Rene Daalders Undergroundmusical “Population: One“ hinzu, der, nach einer nuklearen Katastrophe als einziger Überlebender auf Erden mit Hilfe seiner  Erinnerung an anderen Menschen, diese zum Leben erwecken kann. Er lebt fortan in einer Welt der Projektionen in einem dunklen Bunker, ausgestattet mit jeder erdenklichen Technik und erfindet die Geschichte.

Destroit/ Found Footage (Youtube) und Soundfragmenten der Serie “Dexter“/ 11:56min/ 4:3/ 2012


https://vimeo.com/91625842
















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Der Hauptdarsteller der US-Amerikanische Krimiserie “Dexter” ist Serienmörder, der beim Miami-Metro Police Department in der Blutspurenanalyse arbeitet und in seiner Freizeit Killer hinrichtet. Die Serie basiert auf den Büchern von Jeff Lindsay und wird in der Tonspur als Voiceover mitgenutzt.
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer bestimmten visuellen Darstellung der Zerstörung der amerikanischen Stadt Detroit, die nach der Automobilkrise und dem darauf folgenden Zerfall und der Abwanderung seiner Bevölkerung, zu einer der gefährlichsten Städte Amerikas heranwuchs, mit einer großen Anzahl an leerstehenden Gebäuden, Wolkenkratzern und kulturellen Einrichtungen.
Innerhalb einer „Pornografie der Zerstörung“ und anhaltenden Glorifizierung werden Vergleiche zwischen dem Jargon eines Serienkiller und den Ruinen, Monumenten des Zerfalls, den “Leichen”, hergestellt. Ein Spiel mit verschiedenen Identitäten und Interessen. Das Auto, Symbol des wirtschaftlichen Aufschwungs dieser Stadt, wird zu einem der visuellen, wiederkehrenden Hauptmotive der Arbeit. Eine Fortbewegung durch jene Stadt im Auto, die eigentlich auf der Stelle zu stehen scheint, der Fortschritt bleibt aus. Die Gebäude sind zu blutleeren Hüllen, zu Gespenstern geworden, die aus der Vogelperspektive abgeflogen werden, Zeugen des Aufstiegs und Falls. Sie überdauern. Sie finden neue Bewohner und erlangen neue Bedeutungen. Sie werden zu Kunstwerken, Spielplätzen und Ruinen erklärt, deren Räume Geschichten in sich tragen. Dennoch sind sie gleichzeitig „Mordopfer“ eines Serienkillers, der amerikanischen Wirtschaft im postindustriellen Zeitalter, Abbild einer Misswirtschaft und des Frusts der Bewohner der Stadt, die Videos im Internet posten, in welchen sie ein Medium gefunden haben, sich Gehör zu verschaffen, abseits falscher Versprechen und Glorifizierungen des Verfalls.

Deviation List - To Happyend Unhappy Tutorial/ Found Footage (Youtube) und Mini DV/ 10:22 min/ 4:3/ 2010


https://vimeo.com/91607594
















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“To Happyend Unhappy Tutorial“ ist ein Film über Liebe, der in sieben Kapiteln, ausgehend vom Thema als “central deepest meaning provider for our lives“ Folgen einer überdimensionierten Selbstauseinandersetzung und dadurch entstehende Unfähigkeit, das eigentliche Ziel, glücklich zu werden, untersucht. Alles scheint sich nur noch um die Frage “but how do we go about getting it?“ zu drehen, während Gurus damit reich werden, ihr Seelenheil an Verzweifelte zu verkaufen, Erlösung versprechen oder Selbsthilfegruppen wie Pilze aus dem Boden schießen.
Das „Tutorial“ beschreibt einen Ablauf, wie in sieben Schritten vorgegangen werden könnte. Klischeehafte Verhaltensmuster werden verwendet, um in ironischer Manier zusammengewürfelt und vertrauscht zu werden auf der Suche nach dem „verborgenen Sinn“. Metaphern wie Frösche, Bäume oder spielende Hunde erhalten durch die Montage mit der Tonspur absurde Bedeutungen. Fragmente der Originalsoundspuren der Youtubevideos sind auf der Soundebene aneinandergefügt und entstammen Videokanälen von “Faster EFT”, “the Player Supreme”, “Zenmack.com”, “Schnellhypnose.de”, “Wealth Vibes” und “Depression End”. Ein Remix, der den ursprünglichen Inhalt, dem Kontext entnommen, entfremdet und auf inhaltlicher Ebene zu einer ad absurdum geführten Bedeutung zusammenfügt. Eine Selektion, die die Bedürfnissen der Konsumenten (nicht) erfüllt. Ein Film über die Richtungslosigkeit einer Suche in der gegenwärtigen Welt.

M.ANY/ Found Footage (Youtube)/ 08:22 min/ 4:3/ 2009


https://vimeo.com/91612297
















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M. ANY besteht aus Found Footage Videomaterial von Amateurfilmern, die Bei-
träge ihrer Wohnungen ins Netz stellen und somit Zugang bzw. Einblicke in ihren Privatraum ermöglichen. Lebensräume, die etwas über ihre Bewohner verraten, die Intimsphäre. Die unterschiedlichen Videoausschnitte werden miteinander zu einer Architektur verbunden und durchschritten. Künstliche Übergänge werden hergestellt. Bild und Ton sind voneinander getrennt. Das Foto, Konservierung und Moment vom Tod des Autors nach Roland Barthes, taucht immer wieder innerhalb des ursprünglichen Mediums, in Form von Unterbrechungen, Störungen, Irritation und Stillstand auf. Alle zusammen ergeben Einblicke in eine absurde seltsame Szenerie der Überwachung und Selbst-
entblößung. Ein Ensemble von Zeichen, Bildern und Übergängen, die sich zu einer Narration zusammenfügen. Das Internet wird zum theatralen, performativen Raum, zur Bühne der Selbstinszenierung. Das eigene Spiegelbild bekommt eine neue Bedeutung. “Im Spiegel sehe ich mich dort, wo ich nicht bin, in einem irrealen Raum, der virtuell hinter der Oberfläche des Spiegels liegt. Ich bin, wo ich nicht bin...Aber zugleich handelt es sich um eine Heterotopie, insofern der Spiegel wirklich existiert, und gewissermaßen eine Rückwirkung auf den Ort ausübt, an dem ich mich befinde. Durch den Spiegel entdecke ich, dass ich nicht an dem Ort bin, an dem ich bin.” (Michel Foucault, Von anderen Räumen)
Der Blick durch die Räume ist ein - durch mich ein zweites mal manipulierter - konstruierter Blick, der sich auf visueller Ebene immer weiter fortsetzt. Der durch Fortführungen und Verdoppelungen erzeugte Raum erscheint künstlich entfremdet und wird zu etwas Bedrohlichem. Der Betrachter wird zum Stalker. Grenzen zwischen privat und öffentlich, zwischen Innen und Aussen, Subjekt und Objekt verschwimmen, werden sichtbar und stellen das Realitätsprinzip von wahr und falsch in Frage. Eine Inszenierung, eine Solo - Show, die sich wieder und wieder innerhalb des Mediums selbst reproduziert und zu einem neuen Ge-satmtbild, innerhalb einer künstlich hergestellten Welt, dem Internet, aneinanderfügt. Eine Bühne, die die eigene Wohnung zur Bühne, die von der Öffentlichkeit mitbespielt wird, macht. Ein virtueller Blick in den Innenraum, in die Seele - durch den Apparat, den Screen. Das Spiegelbild wird Selbstbildnis und Schwelle zu einer sichtbaren Welt. Beziehungen zwischen der Innenwelt und der Aussenwelt, zwischen real und virtuell, zwischen anwesend und abwesend entstehen. Der Bruch des Kreises von der Innenwelt zur Umwelt bringt laut Jacques Lacan die unerschöpfliche Quadratur der Ich-Prüfung hervor. Eine Zerstückelung des Körpers befindet sich in ihm und in seiner räumlichen Befangenheit. Genauso, wie die Wohnung in einzelne Fragmente zerstückelt wird, und so, durch deren Aneinanderfügen ein neues Gesamtbild entsteht, konstruiert sich eine Identität, die sich und allen anderen im Spiegelbild begegnet.

Blind Couple/ Analoge Fotografien und Found Footage (Youtube)/ Farbe und SW/ Installation im Loop/ 09:03 min/ 2009


Blind Couple

















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Das Bild in “Blind Couple” wird durch einen Splitscreen getrennt. Beide Videos in den einzelnen Screens gehen von einem unterschiedlichen Ursprungsmedium aus. Private Fotos aus dem Familienarchiv treffen auf öffentliches Videomaterial, analog trifft auf digital. Der Anordung der Fotografien, entstanden zwischen ca 1925 und 1946, die in einer statischen langsamen Bewegung eine Schwerfälligkeit der Vergangenheit repräsentieren und einer abstrakten Geschichtserzählung folgen, werden Videos der Internetplattform Youtube nebenangestellt. Beide Bilder repräsentieren zwei unterschiedliche Zeitebenen von Vergangenheit und Gegenwart. Dokumentation von Vergangenheit trifft auf Dokumentation von Gegenwart. Archiv auf Archiv. Beide verbinden sich auf visueller Ebene, wechseln ihren Platz, existieren einer in der “Zeit“ des anderen, um wieder zu einzelnen Fragmenten zu werden und sich voneinander zu lösen. Ein Nebenander unterschiedlicher Geschwindigkeiten und Ästhetiken, die der Verschiedenheit ihrere Herkunft entsprechen.
Bewegt und statisch erfordert für das Auge unterschiedliche Sehgewohnheiten. Stets verliert sich der Blick, angezogen durch seine visuellen Reize im digitalen Bewegtbild. Der Ablauf ist geprägt von dem Element Wasser. In unterscheidlichen Aggregatszuständen und Bedeutungen taucht es als Element des Lebens, jedoch gleichzeitig auch als konstante Bedrohung auf. Tragendes und Vernichtendes. Im Splitscreen treffen Szenarien aufeinander, die gemeinsam autonome Zustände beschreiben, sich als Narration ergänzen und dann in einem neuen Bild verlieren, bzw fortsetzt. Straßen, Züge, Schiffe und Flugzeuge, technische Errungenschaften und Fortbewegungsmittel haben Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung genommen und prägen ihren Fortschritt. Dazwischen tauchen Katastrophen auf, die die Utopie der Bilder durchbrechen und immer wieder auf die Rückkehr einer ständigen Bedrohung durch diesen Fortschritt verweisen.

Pass Age/ Analoge animierte Fotografie/ SW 05:14 min/ 4:3/ 2008

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In langsamen sphärischen Bewegungen von Details und Ausschnitten wird die Dekonstruktion eines Bildes zur visuellen Grundlage der Arbeit. Der Versuch einer Rekonstruktion, wie jene der Erinnerung, wird unternommen. Die einzelnen Fragmente wiederum erzählen visuell ihre eigene Geschichte. Auf der Tonebene “hört” man das eigentlich “Sichtbare” der Fotografie. In der Entfremdung vom ursprünglichen Motiv, in der Distanz und Abstraktion, liegt die eigentliche Nähe. Im Detail wird eine eigenständige Bedeutung erzeugt, die Einblicke in eine andere fremde Welt gewährt. Diese beginnt sich langsam dem Betrachter zu öffnen. Das Video basiert auf einem alten Familienfoto um 1930. Ebenso, wie das Bild seine Herkunft verbirgt, indem es einen Moment der Vergangenheit, der unwiderruflich ist, als Motiv, als Dokument und Zeugnis seines eigenen “Todes”, sein Abbild einer Zeit danach überlässt, gibt es vor etwas zu sein, was es nicht ist. Der Text im Voiceover ist angelehnt an Georges Didi-Hubermans “Phasmes“.
Auszug aus “Phasmes“:
Vollkommen disparate, nur in ihrem “blitzhaften Zusammentreten“ (Walter Benjamin) einander ähnliche Erscheinungen liefern der Ausgangspunkt für Didi-Hubermans Überlegungen. Er kreist seine, zunächst ganz nebensächlich erscheinenden Gegenstände ein, bringt sie dem Leser in erzählerischer Weise nah, löst anfangs gemachte, höchst fragwürdig erscheinende Aussagen auf und führt so auf einem mit Bezügen zu Psychoanalyse, Philosophie, Literatur reich gepflasterten Weg zum Kern seines Gedankens. Das in seiner Beiläufigkeit surrealistischen Bildfindungen ähnliche Prinzip dieser Essays folgt keiner rationalen logischen Konsequenz, sondern in Anlehnung an die Freudschen Bilderrätsel traumhaften Bezügen.

06.04.2014